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Montag, 6. Juli 2015

Griechenland Referendum - Kommentar

War es wirklich die seitens der Tsipras Regierung vorgeworfene Erpressung der EU, die dafür sorgte, dass über 60% der Wähler sich gegen das Reform- und Sparpaket der Eurozone wandten? Wollte man gar in boshafter Absicht jeden einzelnen Griechen seiner Würde berauben, wie es doch so oft von Varoufakis&Co beschrieben wurde? Und war es vor allem ein Sieg der Demokratie, des Volkswillens, über das von Deutschland gesteuerte EU-Ausland?

griechenland-deals  / pixelio.de
Ich sage dazu nur dreimal OXI* und bedauere zugleich, dass dieses Wort auch den Wendepunkt der seit 2010 durchgeführten Rettungspolitik darstellt. Seitdem sind knapp 220Mrd. € an Griechenland geflossen, die laut ifo-Institut in etwa zu gleichen Teilen für ausländische Gläubiger, der eigenen Bevölkerung in Form eines höheren Konsumniveaus und der Kapitalflucht vermögender Griechen ins Ausland dienten. Es ist also wahr, dass damit Banken gerettet wurden, aber nicht zu 90% wie von Varoufakis in Interviews behauptet. Und wir wollen nicht vergessen, dass bei Bankenrettungen auch Kunden- und Firmengelder gerettet und zugleich Ansteckungseffekte verringert wurden.

Auf der anderen Seite war es schon lange nicht mehr ersichtlich warum europäische Kredite in ein System gepumpt werden sollten, das immer wieder an seiner Tragfähigkeit zweifeln ließ. So stehen allein für Deutschland rund 90Mrd. € auf dem Spiel, die man vermutlich größtenteils abschreiben muss. Tsipras versteht Demokratie auch in erster Linie für die griechische Bevölkerung reserviert und nicht für den Rest Europas, welches für die jetzige Schuldenlast haftet.

Ich habe soweit Verständnis für die Mehrheitsentscheidung, weil man Angebote, die massive Reformbemühungen enthalten und damit viel von der Bevölkerung abverlangen, ausschlagen dürfen sollte. Ich fürchte aber zugleich, dass die Konsequenzen einer solchen Entscheidung den wenigsten wirklich bewusst war. Mit dem heutigen Tag müssen es die Griechen alleine schaffen, ohne weitere Hilfskredite, ohne weitere Soforthilfen der EZB, ihre Wirtschaft zu reformieren. Abseits der Wiedereinführung der Drachme gibt es dann kaum noch  Alternativen. Humanitäre Krisen, die zum Teil schon im Gange sind, werden sich ausbreiten. Die EU sollte darauf vorbereitet sein und wichtige Importgüter wie Nahrung und Medikamente für die notleidende Bevölkerung zur Soforthilfe bereithalten.


Die jetzige Linksradikal-Rechtsradikal Regierung (wer hat sich sowas überhaupt ausgedacht?) hat innerhalb von 5 Monaten die harte Reformarbeit der letzten Jahre zerstört und sich damit als unfähig erwiesen.  Kali Nichta, Tsipras!

Dienstag, 17. März 2015

Marktausblick: Griechenland-Krise

Hans-Joachim Schüngeler  / pixelio.de

Es ist schon höchst interessant mit anzusehen, wie der deutsche Leitindex (DAX) fast täglich neue Rekorde bricht und das bei einem Nachrichtenumfeld, welches den Anleger nicht in Freudentaumel versetzt. Die letzten Wochen waren seit der Griechenland-Wahl Ende Januar wieder stark von der Zahlungsunfähigkeit und -willigkeit dieses Landes geprägt. 




Nebenbei startet in den USA die Debatte um die Anhebung des dortigen Leitzinses, welches auch durchaus Sinn ergibt, da die amerikanische Wirtschaft längst aus dem Tal der Krise herausgekommen ist und zu geringe Zinsen die falschen Anreize setzen würden. Nicht zu letzt belastet die Ukraine Krise nach wie vor die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Russland.

Folgend eine kleine Auswahl der notwendigen Reformen, die die Troika vorschlägt und wogegen sich die linke griechische Regierung widersetzt.

  • Bürokratieabbau im öffentlichen Sektor → Effizienzsteigerungen durch Kostenreduktion, d.h. Personaleinsparungen und eine Umstrukturierung der Aufgaben
  • Privatisierungen vorantreiben und nicht aufgeben (laut Troika lassen sich bis 2020 bis zu €18 Mrd. damit erzielen)
  • Liberalisierung der Wirtschaft, vereinfachte und gerechtere Steuergesetzgebung um Investitionen anzulocken
  • Korruption beseitigen
  • Rentensystem und Justizwesen reformieren

Zwar verspricht die stärkste Regierungspartei SYRIZA, dass sie Steuern für Reiche anheben und die Korruption beseitigen wolle, doch ernsthafte Gesetzesvorschläge sind bisher nicht in das Parlament eingegangen.

Die EZB und die beiden Hilfsprogramme haben sehr viel Zeit für die griechischen Regierungen gekauft. Leider ist viel Zeit verstrichen ohne, dass viel passiert ist. Klar ist gibt in einigen Bereichen Lichtblicke und manche Politiker sprechen davon, dass man Licht am Ende des Tunnels sehen würde. Ich bin da weiterhin eher skeptisch und halte die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite für unvermindert hoch.

Dem Anleger kann ich aktuell nur empfehlen nicht blindlings den DAX-Ständen hinterher zu laufen. Eine Korrektur wird über kurz oder lang auch dort eintreten. Zudem gleichen die hohen Renditen nur die immensen Verluste des Euro gegen andere Währungen wie beispielsweise den Dollar aus. Man sollte deshalb ein Produkt wählen, dass weltweit engagiert ist und gerade im Dollar stark investiert ist.