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Freitag, 30. September 2011

Fibonacci Retracement

Fibonacci Retracements gehören mit Sicherheit zu den interessantesten und auch umstrittensten Werkzeugen der Technischen Aktienanalyse. Sie gehen auf die Fibonacci Folgen (entdeckt vom Mathematiker Leonardo Fibonacci) zurück die ein universales mathematisches Muster der Natur beschreiben. So findet man diese Folgen in dem Ausmaß der männlichen Bienenpopulation eines Bienenstaates oder in der Anordnung verschiedener Blütenmuster, usw. 


Die Fibonacci Folge sieht folgendermaßen aus:
0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, ...


Sie ergibt sich immer aus der Addition der zwei vorhergehenden Zahlen. 0 + 1= 1 ; 1 + 1 = 2 usw. usf.


Aus der empirischen Erfahrung zeigt sich, dass die Werte: 0,618; 0,382 und 0,236 ebenfalls Bedeutung im Verlauf von Börsenkursen haben.


Die obigen Werte ergeben sich aus der Division einer weiter hinten liegenden Fibonacci Zahl mit ihrer Vorgängerzahl/Vorvorgängerzahl/Vorvorvorgängerzahl.


Beispiele hierfür sind:




Nun versuchen wir diese Informationen in einen Chart einzubinden.
Dazu wählen wir zunächst einmal einen Hochpunkt und einen Tiefpunkt aus. Die Entscheidung bleibt an dieser Stelle relativ subjektiv. Die Spanne zwischen Hoch- und Tiefpunkt betrachten wir als 100%. Innerhalb dieser Spanne werden unsere drei neuen Fibonacci Kursniveaus eingebettet. Dabei entspricht 0,618 dann 61,8% usw. 


Fibonacci Retracement bei K+S


Ist der Kurs in der Nähe eines Fibonaccis Retracement entsteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass es entweder zu einer Trendwende oder zu einem starken Durchbruch an dieser Stelle kommt. Man betrachtet dabei die Berührung mit der Fibonacci Linie nicht als Kauf- bzw. Verkaufsignal, sondern als Alarmsignal. Es ist nun unbedingt von Nöten, dass man zusätzliche Kaufs-/Verkaufsindikatoren, wie den MACD, in den nächsten Tagen beobachtet.


Wie oben zu sehen ergibt sich nach der Berührung des Aktienverlaufs mit der 23,6% Fibonacci Linie ein Kaufsignal seitens des MACD Indikators bei 43,5€. Diese Position geben wir beim Wiedereintritt in den Bereich (38,2% bis 23,6%) wieder auf. Und das bei 47,75€. Das macht einen effektives Kursplus von 10%!



Bollinger-Bänder - Strategie

Durchschnittliche jährliche Netto-Rendite* von 1991 bis Ende 2011: 2.11%

Die Bollinger-Bänder bestehen aus 3 Linien. Die Mittlere davon ist der Mittelwert der Aktienkurse aus den letzten 20 Börsentagen. Die beiden anderen lassen sich aus der zweifachen Standardabweichung errechnen.
John Bollinger ging davon aus, dass die meisten Aktienkurse normalverteilt sind. Das bedeutet, dass sie dazu neigen um den Erwartungswert (hier der Mittelwert) gleichmäßig zu schwanken und es dabei um einiges wahrscheinlicher ist, in einem kleinen Abstand von diesem zu sein, als in einem großen Abstand. Um diese Wahrscheinlichkeiten bestimmen zu können muss man bestimmte Bereiche, in denen der Aktienwert pendeln kann, festlegen. Dieser Bereich, 2 Sigma Bereich (auch Standardabweichung/St.Abw.) genannt, umfasst nach Bollinger 95,4% aller Kursbewegungen.

Zur Berechnung des Sigma Wertes wird die Excel Funktion "STABW()" über die letzten 20 Börsenkurse benutzt.




Die Bollinger-Bände eignen sich nicht zwingend zur Bestimmung von klaren Kaufs- und Verkaufssignalen eines Wertpapiers, weil grundlegende falsche Annahmen getroffen wurden. So kann man eigentlich nicht davon ausgehen, dass ein Wertpapier sich grundsätzlich an die Regeln der Normalverteilung hält.



Bollinger-Bänder zum Kurs von BMW

Dennoch wollen wir folgendes festhalten:

Die Bollinger-Bände beanspruchen überhaupt nicht zukünftige Aktienkurse vorherzusagen. Vielmehr sind sie ein Werkzeug der Technischen Analyse zu Bestimmung von über- und unterbewerteten Aktien. Unterbewertet sind sie nach der technischen Analyse dann, sobald sie weiter als den 2 Sigma Bereich abrutschen, überwertet, sobald sie weiter als den 2 Sigma Bereich nach oben hin ausbrechen. Wenn eine Aktie unterbewertet ist, heißt das aber im Umkehrschluss noch Lange nicht, dass sie sofort wieder zu ihrem Normalkurs hin steigen wird. Diese Aktien können noch weiter fallen, weil zum Beispiel wirtschaftliche Daten explizit gegen die unternehmerische Ausrichtung des Aktienkonzerns sprechen. 

Deshalb merken wir uns:

Die Bollinger Bände sind ein interessantes Analyse Tool, dass man ähnlich wie das Momentum als zusätzliches Argument für eine Investmententscheidung anführen sollte, jedoch nicht unbedingt als alleinige Begründung.


* nach Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Börsengebühren


Für den obigen Backtest wurde die Strategie folgend abgeändert:

Es wurden Mittelwerte über 20 Tage von den High- und Low-Kursen genommen.

Die obere Grenze ergibt sich durch die Addition das Mittelwertes (High) und der zweifachen Standardabweichung der High-Kurse über 20 Tage.
Die untere Grenze ergibt sich durch die Subtraktion des Mittelwertes (Low) und der zweifachen Standardabweichung der Low-Kurse über 20 Tage.

Kaufsignal:  

Low (t-1) < untere Grenze (t-1)
Low (t) > untere Grenze (t)

Verkaufssignal:

High (t-1) > obere Grenze (t-1)
High (t) < obere Grenze (t)

Falls der Kurs nach dem Kaufzeitpunkt um mehr als 20% abrutscht, wird ein Stop-Loss (--> Erklärung) ausgelöst:


Einsicht in die Backtests erhalten Sie hier:
→ Bollinger - Rendite 1991 bis Ende 2011
→ Bollinger - Rendite 2012_2013
→ Bollinger-Strategie DAX ETF 1991 bis Ende 2011
→ Bollinger-Strategie DAX ETF 2012_2013

*nach Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Börsengebühren

Mittwoch, 28. September 2011

Momentum - Strategie

Beschreibung:
Das Momentum ist eine weitere Größe der technischen Analyse. Es gibt Aufschluss über die Nachhaltigkeit von bestimmten Kursbewegungen und Trendumkehrungen.Es ist also ein Instrument der Zyklusanalyse eines Charts.


Die Berechnung ergibt sich aus der fortlaufenden Division des aktuellen Kurses mit dem vor 20 Tagen (in der Regel). Kaufs- und Verkaufsignale werden durch untere und obere Wendepunkte generiert. Jeder einzelne Kurswert gibt damit die prozentuale Entwicklung der betrachteten Aktie seit dem betrachteten Datum minus 20 Tagen an.


Wie lese ich das Momentum?


bestehender Aufwärtstrend beschleunigt sich: Momentum ist positiv und steigend
bestehender Aufwärtstrend verlangsamt sich: Momentum ist positiv und fallend


bestehender Abwärtstrend beschleunigt sich: Momentum negativ und fallend
bestehender Abwärtstrend verlangsamt sich: Momentum negativ und steigend







Der Indikator ROC (Rate of Change) ermöglicht eine prozentuale Bewertung des Momentums:


Fazit:
Das Momentum kann sicherlich als lohnender zusätzlicher Indikator verstanden werden, darf aber keinesfalls alleinige Grundlage irgendeiner Investmententscheidung sein. Zudem ist die Berechnungsgrundlage dazu mehr als zweifelhaft. Sie missachtet nämlich vollständig alle Kursentwicklungen zwischen dem aktuellen Kurs und dem vor 20 Tagen. Es wird so zwar ein ungefährer Trend angezeigt, man kann sich aber auch schon wieder in einer starken Abwärtsbewegung befinden. Ich empfehle deshalb das Momentum mit Vorsicht zu genießen und allenfalls als zusätzliches Argument für eine Investmententscheidung zu gebrauchen.


PS:
Das Momentum findet Anwendung in einer der Möglichkeiten die Relative Stärke einer Aktie zu berechnen.

Relative Stärke - RS und RSI

Durchschnittliche jährliche Netto-Rendite* von 1991 (Oktober) bis Ende 2011: 6.41%

Beschreibung:
Die Relative Stärke ist eines der wertvollsten Analysewerkzeuge der Technischen Analyse. Sie berechnet, wie stark sich Aktien entwickeln. Man geht auch hier von dem Ansatz "The Trend is your friend" aus. Solange ein Trend besteht ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er sich fortsetzt, als dass er sich umkehrt. Über diese Handelsstrategie lassen sich mit etwas Durchhaltevermögen enorme Gewinne realisieren.

Es gibt hauptsächlich 2 Möglichkeiten die Relative Stärke einer Aktie zu berechnen:


Erstens kann man die Performance einer bestimmten Aktie mit dem dazugehörigen Index (z.B. dem DAX) vergleichen. Dazu wird die Rendite einer Aktie auf 20-Tage-Sicht jeden Tag neu mit der 20-Tage-Rendite des dazugehörigen Index verglichen.


So könnte dies zum Beispiel in Excel aussehen:




Steigt die Relative Stärke über 1, heißt es zuschlagen:




Sinkt dieser Indikator wieder unter 1, heißt es abstoßen:


Innerhalb des grünen Bereichs würde man die Aktie halten, während der roten Phase abwarten.


Wie man an Hand des folgenden Charts erkennen kann, hat man zwar mit dieser Methode starke Gewinne im Juni und Juli einfahren können. Man müsste jedoch auch immer wieder kleinere Verluste erleiden.


Viel besser eignet sich deshalb die zweite und auch kompliziertere Möglichkeit die Relative Stärke einer Aktie zu bemessen. Vorhin verglichen wir die Renditeentwicklung einer bestimmten Aktie mit dem dazugehörigen Index, jetzt vergleichen wir die momentane Renditeentwicklung einer Aktie mit ihrer historischen Renditeentwicklung. Das Ergebnis ist der RSI (nach Wilder).

Im ersten Berechnungsschritt werden alle absoluten Kurssteigerungen (der Eurowert, nicht Prozent) zeitlich geordnet aufgelistet. Tage mit Verlust bekommen den Wert 0 zugeordnet für 0€ Kurssteigerung. Diese Tabelle nennen wir "h". Im zweiten Schritt werden alle absoluten Kursverringerungen zeitlich geordnet aufgelistet. Tage mit Gewinn bekommen den Wert 0 zugeordnet für 0€ Kursverringerung. Dafür verwenden wir den Buchstaben "r". Wichtig ist, dass die Werte immer positiv sind. In "h" finden wir alle absoluten Kurssteigerungen, in "r" alle absoluten Kursverringerungen. Das Resultat sieht in etwa so aus (Beispielhaft K+S vom 03.01.11 bis zum 27.01.11):


Von beiden Zeitleisten wird nun der EMA(27) (vorher sollten Sie sich unbedingt damit auseinandersetzen) mit n=27 berechnet. Der EMA(27) von "h" wird zu "H", der EMA(27) von "r" wird zu "R". Die einfache Relative Stärke (RS) setzt sich aus der Division dieser beiden Werte zusammen.
Ein RS-Wert von beispielsweise 1,6 bedeutet, dass der prognostizierte Kurszuwachs um 60% höher eingeschätzt wird, als die prognostizierte Kursverringerung.

Tatsächliche Kaufs- und Verkaufssignale ergeben sich jedoch erst mit dem Relative Stärke Index, dem RSI. Dieser normiert den RS zwischen 0 und 100. 


Der RSI zeigt den prozentualen Vergleich zwischen Auf- und Abwärtspotenzial einer Aktie an. Ist der Wert 80, dann ist das Aufwärtspotenzial zu 80% erschöpft und das Abwärtspotenzial nur zu 20% (100% - 80% =20%). Eine Trendumkehrung ist hierbei relativ wahrscheinlich.



Kaufs- und Verkaufsginale werden dabei nach folgendem Muster ausgelöst:

Im Bullenmarkt (gute Zeiten): Kaufen beim unteren Wiedereintritt in den Bereich 40 bis 80, verkaufen beim oberen Wiedereintritt in den Bereich 40 bis 80.

Im Bärenmarkt (schlechte Zeiten): Kaufen beim unteren Wiedereintritt in den Bereich 20 bis 60, verkaufen beim oberen Wiedereintritt in den Bereich 20 bis 60.

Für diejenigen, die nicht subjektiv entscheiden wollen in welcher Marktsituation man sich gerade befindet, habe ich folgende Regeln zusammengestellt (es wird keine Garantie für Gewinne übernommen):



Jeweils eine der drei oben genannten Bedingungen für Kauf- und Verkaufslevel trifft immer zu, dabei müssen die Bedingungen jeden Tag neu berechnet werden (s.o. Backtest). 

Beispiele:

Falls der Tiefstkurs der letzten 20 Börsentage kleiner ist als 0.95 * die aktuelle 200-Tage-Linie, dann liegt das aktuelle Kauflevel für den RSI bei 20. Falls dieser Tiefstkurs größer als 0.95 * die aktuelle 200-T-Linie, aber immer noch kleiner als die 200-T-Linie für sich allein betrachtet ist, liegt das Kauflevel bei 30. Das Kauflevel 40 für den RSI kommt nur in Frage, sobald der Tiefstkurs über der 200-T-Linie liegt. Ähnlich verhält es sich für die Verkaufslevel, dann dient jedoch der Höchstkurs der letzten 20 Börsentage als Berechnungsgrundlage (s. Grafik).

Vorteile:
Renditestarke Strategie (übertrifft den DAX), relativ einfach zu handhaben durch klare Einstiegs- und Austiegssignale.

Nachteile:
Für die meisten wahrscheinlich zu zeitaufwändig, weil der RSI jeden Tag beobachtet werden muss. Außerdem kommt es immer weider zu Fehlsignalen, sodass man bereit sein muss, auch Verluste hinzunehmen. Auf lange Sicht (5 bis 10 Jahre) überwiegen die Gewinne jedoch deutlich.

*nach Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Börsengebühren

Sonntag, 25. September 2011

MACD - Strategie

Durchschnittliche jährliche Netto-Rendite* von 1990 (November) bis 2012 (April): 3.68%

Anwendung:
Sie kaufen ein DAX-ETF, wenn der MACD auf Wochenbasis ein Kaufsignal gibt. Sie verkaufen wieder bei einem entsprechenden Verkaufssignal.

Beschreibung:
Die MACD - Strategie baut auf dem berühmten MACD Indikator, auch Moving Average Convergence Divergence, auf, welcher Börsentrends frühzeitig zu erkennen hilft. Dieser wurde 1979 von Gerald Appel vorgestellt und ist eines der wichtigsten Instrumente der Technischen Analyse. 
Die Berechnung des MACD selbst ist einfach. Es wird der langfristig exponentiell gleitende Durchschnitt vom kurzfristig exponentiell gleitenden Durchschnitt subtrahiert. Für das genauere Verstehen empfehle ich aber, sich zunächst mit exponentiell gleitenden Durchschnitten zu befassen.


Der nun berechnete MACD gibt an, ob ein Aufwärts- oder Abwärtstrend vorliegt. Der Aufwärtstrend definiert sich darüber, dass der kurzfristige Trend über dem langfristigen liegt. Der MACD wird damit positiv. Ein Abwärtstrend hat die genau umgekehrte Definition. Der MACD Wert ist also negativ.
Man könnte mit diesem Wissen schon Kauf- und Verkaufssignale bestimmen, nach dem Muster: Ist der MACD positiv, dann kaufen, sinkt der Wert wieder unter Null, dann verkaufen. Diese Methode ist jedoch um einiges ungenauer als die folgende.

Man berechnet zusätzlich den EMA[9] vom MACD. Damit können Trends innerhalb des MACD Verlaufs frühzeitig erkannt werden. Das funktioniert ähnlich wie bei den gleitenden Durchschnitten um einen normalen Aktienkursverlauf. Immer wenn der MACD von unten nach oben den exponentiell gleitenden Durchschnitt (EMA[9] vom MACD) durchbricht, wird ein Kaufsignal generiert, beim umkehrten Fall ein Verkaufssignal.


Fertig berechnet und in ein Diagramm eingebettet, schaut der MACD Indikator folgendermaßen aus. Der große Vorteil bei diesem Instrument der technischen Analyse ist seine Eindeutigkeit in der Signalgebung und seine Treffsicherheit. 


Vorteile:
Kurz zusammengefasst: äußerst renditeträchtige Strategie (Brutto) mit gleichzeitig relativ geringem Risikopotenzial. Dazu kommt ihre besondere Einfachheit, es werden keine weitergehenden mathematischen Kenntnisse benötigt!

Nachteile:
Der MACD Indikator muss einmal wöchentlich beobachtet werden um sich zwischen Kaufen, Verkaufen und Halten entscheiden zu können. Der MACD liegt nicht immer richtig. 2008 sank unser Vermögen auch mit dieser Strategie um -11,59% ein. Verglichen mit dem DAX ist das wenig (-40,2%), dürfte aber dennoch nicht ganz schmerzfrei gewesen sein. Darüber hinaus neigt der MACD wie alle Durchschnittsstrategien dazu, in Seitwärtsmärkten zu Fehlsignalen zu tendieren.

Einsicht in die Backtests erhalten Sie hier:
→ MACD-Rendite - DAX 1990 bis Ende 2011
→ MACD-Rendite - DAX 2012_2013
→ MACD-Strategie - DAX ETF 1990 bis Ende 2011
→ MACD-Strategie - DAX ETF 2012_2013

* nach Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Börsengebühren

Samstag, 24. September 2011

Exponentiell gleitende Durchschnitte - EMA

Das Verfahren, der exponentiellen Glättung, eignet sich besonders stark für die kurzfristige Prognose von bestimmten Zeitwerten, zum Beispiel Aktienkursen. Es wird darüber hinaus vor allem gebraucht, wenn kein Muster oder Trend in der Entwicklung der Kurse erkennbar ist. Diese fehlende Systematik ist bei den meisten Aktienkursen der Fall und deshalb widmen wir uns folgend den exponentiell gleitenden Durchschnitten, den EMA.


Bei der Berechnung dieser Durchschnitte verfolgen wir den Ansatz, dass die gegenwärtigen Kurse immer auch von den historischen beeinflusst werden. Dieser Einfluss wird umso geringer desto ferner die Kurse in der Vergangenheit liegen. Ein eingebauter Glättungsfaktor sorgt zudem dafür, dass einzelne hohe bzw. tiefe Ausschläge über die Zeitreihe verteilt werden.

EMA[t] steht für den Wert des aktuellen exponentiell gleitenden Durchschnitts (z.B. für heute)
EMA[t-1] steht dementsprechend für den Wert des exponentiell gleitenden Durchschnitt von einer Zeiteinheit vor der aktuellen (z.B. gestern)
2/(n+1) ist der Glättungsfaktor, das n steht für die Tage, über die der EMA verteilt ist, wollen wir einen EMA für 26 Tage errechnen, so muss die Zahl 26 für n eingesetzt werden
C[t] ist der aktuelle Schlusskurs (C steht für Close)

Um das ganze einmal zu veranschaulichen sehen Sie unten eine Beispielrechnung für die EMA für 26, 12 und 9 Tage. Diese 3 speziellen EMA werden auch für die Berechnung vom MACD Indikator benötigt.
Der 1. Wert unserer EMA ist immer gleich dem 1. Schlusskurs der betrachteten Aktie. Ab dem 2. Wert unserer EMA setzt die obige Formel als Berechnungsgrundlage ein.



Folgend sehen Sie, wie der der EMA[9] vom 25.08.2011 bis zum 23.09.2011 um den Kurs der DAX-Aktie K+S verlief. Wie sie sehen, lassen sich keine genauen Kaufs- und Verkaufssignale ableiten. Dies gelingt dann jedoch um einiges besser mit dem MACD.



Montag, 19. September 2011

200-Tage-Linie Strategie oder gleitende Durchschnitte - GD

Durchschnittliche jährliche Netto-Rendite* von 1991 (Oktober) bis Ende 2011: 7.09%

Anwendung:
Es wird immer dann ein DAX-ETF gekauft, wenn die 200-Tage-Linie des gleitenden Durchschnitts von oben nach unten durch den Kursverlauf des DAX schneidet. Kreuzt wiederum der Kursverlauf von oben nach unten durch die 200-Tage-Linie wird ein Verkaufssignal generiert. Die Kaufs- und Verkaufssignale werden jedoch zunächst einmal eingefroren. Nur wenn innerhalb der nächsten drei Tage kein gegenläufiges Signal angezeigt wird, gilt es als bestätigt und der Order wird ausgeführt.

Beschreibung:
Die 200-Tage-Linie ist einer der populärsten Indikatoren in der Börsenwelt. So verhalf sie Anlegern 2008 zu einem völlig verlustfreien Jahr, denn kein einziges Mal wurde ein Kaufsignal generiert. Angesicht der horrenden Verluste des DAX von über -40% erscheint diese Strategie glorreich. Doch warum wählt man nun eine Durchschnittslinie als Indikator für Kauf- und Verkaufsorders? Dies hat damit zu tun, dass sie zu den trendfolgenden Indikatoren gehören. Entwickelt sich der deutsche Aktienindex gut, macht diese Bewegung auch die 200-Tage-Linie mit, jedoch verzögert. Dadurch ergeben sich wunderbare Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten.

Vorteile:
Es lassen sich mit dieser Trendstrategie hervorragend Gewinne in starken Aufschwungphasen mitnehmen, so wie es in der Hausse von 2003 bis Ende 2007 der Fall war. Verluste hingegen können bei starken Abwärtsbewegungen erfolgreich vermieden werden, siehe 2008.

Nachteile:
Leider bilden gleitende Durchschnitte in Seitswärtsmärkten viele Fehlsignale, vor allem wenn diese volatil (stark schwankend) sind. Dies führt zu minimalen Verlusten und Gewinnen. Auf Grund der Ordergebühren wird es jedoch dann öfter zum Minusgeschäft. Außerdem kann es passieren, dass wir viele Male im Jahr zum Handeln aufgefordert werden, wenn der DAX und die 200-Tage-Linie sich oftmals überkreuzen. Diese Strategie zahlt sich vor allem in eindeutigen Trendphasen aus. Während wirtschaftlicher Unklarheit, muss man sie mit Vorsicht genießen.

Einsicht in die Backtests erhalten Sie hier:
→ GoogleDrive

* nach Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Börsengebühren 

Stop-Loss-Strategie

Durchschnittliche jährliche Rendite von 1989 bis 2009: 9,2%

Anwendung:
Jedes Jahr wird ein DAX-ETF (Exchange Traded Fund) gekauft. Man setzt als absolute Verlustgrenze -10%. Erreicht der DAX während des laufenden Jahres diese Grenze, so wird das ETF verkauft und bis zum Neujahrestag auf das Reinvestment verzichtet. Wenn nicht, wird ausgehend vom neuen Jahresanfangskurs der Stopp auf -10% gelegt.

Beschreibung:
Eine alte Börsenweisheit besagt „Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen“. Genau dies wird mit der Stop-Loss-Strategie umgesetzt. Viele Anleger lassen ihre Investments oftmals zu lange und zu tief in die Verlustzonen laufen, bevor sie sich zum Handeln gezwungen fühlen. Gefühle führen meist zu fehlerhaften Entscheidungen. Man sollte möglichst versuchen, seine Strategie an eindeutige mathematische Kriterien zu binden. Ein Stopp-Loss kann dabei von elementarer Bedeutung sein.

Vorteile:
In wirtschaftlich guten Zeiten partizipiert man an extremen Gewinnrenditen, weil nach oben keine Grenzen gesetzt werden. Zudem schont man seine Nerven während Rezessionen und Depressionen. Das Prinzip der Strategie ist einfach und klar verständlich, der Zeitaufwand nur minimal.

Nachteile:
In Jahren, in denen die 10%-Trigger-Linie (Auslöserlinie) überschritten wird, kann es passieren, dass sich der DAX bis Ende des Jahres wieder erholt. Von dieser Erholung kann man dann nicht profitieren. So geschah es 2003 und 2009. Zudem muss man darauf gefasst sein, über Jahre hinweg mit -10% nach Hause gehen zu müssen. Zuletzt war dies der Fall von 2000 bis Ende 2003 (4 Jahre). Auf längerfristiger Basis dürfte man aber auch mit dieser Strategie sein Vermögen mit überdurchschnittlichen Renditen aufbauen können.

Sonntag, 18. September 2011

Allzeithoch-Strategie

Anwendung:
Zunächst splittet man sein zu investierendes Kapital in 5 gleich große Teile. Erklimmt nun eine der 30 Aktien aus dem DAX ein neues Allzeithoch, so investiert man ein Fünftel seines Kapitals. Man verkauft entsprechende Aktien wieder sobald sie 10% unter dem letzten Allzeithoch liegen. Das bedeutet, dass diese Grenze, auch Stopp-Loss genannt, bei neuen Allzeithochs angehoben werden muss.

Beschreibung:
Damit das Risiko einer einzelnen Fehlinvestition verringert werden kann, ist es ratsam das Investitionskapital in 5 Teile gleicher Größe aufzusplitten. Kauft man nun immer nur Aktien, sobald diese ein neues Allzeithoch erklommen haben, nutzt man einen wertvollen Trick der Börsenpsychologie. Es gibt nämlich dann aus charttechnischer Sicht keine vernünftige Argumentation mehr, warum der bestehende Aufwärtstrend abbrechen sollte. Zudem sind zu diesem Zeitpunkt alle Aktionäre dieses Papiers in der Gewinnzone. So ergibt sich nicht die Notwendigkeit frühere Verluste wieder auszugleichen. Gemäß der Börsenweisheit „Gewinne laufen [zu] lassen“ wird die Aktie verstärkt gehalten und eher nachgekauft als verkauft. Es ist viel wahrscheinlicher, dass Trends bestehen bleiben, als dass diese sich umkehren. Dennoch wissen wir, dass kein Trend ewig hält, deswegen ist eine Stopp-Loss Marke von -10% unter dem letzten Allzeithoch eingebaut. Steigt die Aktie auf neue Allzeithochs während wir investiert sind, steigt auch diese Marke gemäß ihrer Definition an. Somit können wir bei jedem Trade maximal 10% Verlust einfahren. Steigt das Papier mehr als 10% können wir es auf jeden Fall mit Gewinn wieder verkaufen.

Vorteile:
Aus charttechnischer Erklärung heraus lassen sich sehr hohe Gewinnrenditen erzielen. Es gibt keine psychologischen Marken, die einen Aufwärtstrend stoppen könnten. Mit der -10% Stop-Loss Strategie haben wir zudem ein nützliches Instrument Verluste zu minimieren und Gewinne laufen zu lassen und sie dann nach dem Abbruch des Aufwärtstrend zu realisieren. Außerdem gelingt es die wirklichen Krisenzeiten optimal zu meiden, da zumindest die 30 DAX Titel dann keine neuen Höchststände mehr erreichen.

Nachteile:
Man ist eigentlich nur in überkauften Märkten investiert. Dadurch ergeben sich lange Durststrecken. Zudem kann man von dem Aufschwung nach einer Krise nicht profitieren, da man erst wieder einsteigt, sobald das Vorkrisenniveau übertroffen wurde. Das verringert womöglich starke Verluste im Depot, lässt uns jedoch manchmal über Jahre hinweg nur eine minimale Cash Rendite (beim Tagesgeldkonto) von 2 bis 3% einholen. In Aufschwungzeiten dürfte man mit dieser Strategie jedoch gut fahren. Sobald sich die Märkte wieder beruhigen steigt man besser auf andere Strategien um, als dass man sein Geld cash hortet.

Sell-in-Summer Strategie

Durchschnittliche jährliche Netto-Rendite* von 1991 (Oktober) bis Ende 2011: 8.62%

Anwendung:
Es wird ein DAX ETF (Exchange Traded Fund) am 1. Oktober jedes Jahres gekauft und am 31. Juli jedes Folgejahres wieder abgestoßen. Man ist also in den Monaten August und September nicht investiert.

Beschreibung:
Aus der Erfahrung zeigt sich, dass besonders die Sommermonate August und September mit negativen Kursentwicklungen einhergehen. Zwischen 1988 bis 2009 gab es in allen anderen Monaten durchschnittlich Kurszuwächse. Der Verlust für August beträgt durchschnittlich ca. 2%, im September gaben die Kurse um ca. 4% durchschnittlich nach. Doch welche Faktoren führen zu solch deutlichen saisonalen Kursschwankungen. Darüber ist die Börsenwelt noch im Unklaren. Einer der Erklärungsversuche lautet, dass zu Beginn des Jahres die Fondsmanager und andere große institutionellen Anleger aggressiver ins Marktgeschehen eingreifen, um im Gegensatz zu ihren Konkurrenten eine starke Performance hinzulegen. Geht es auf die Sommermonate zu, werden die bis dahin erwirtschafteten Gewinne realisiert und im Gleichschritt sinken die Kurse. Zum Jahresende ergeben sich häufig wieder Aufwärtsrallyes, an denen auch die Großanleger wieder teilhaben wollen, sodass sie wieder investieren. Andere Erklärungsversuche gehen sogar so weit, das warme Wetter und die Urlaubszeiten für Verkaufsentscheidungen verantwortlich zu machen.

Vorteile:
Der immense Vorteil bei dieser Strategie besteht darin, dass man nur einen geringen Zeitaufwand für das Kaufen und Verkaufen aufwenden muss und zwar genau zweimal im Jahr. Das bloße Kaufen eines DAX ETF macht es auch für den Laien leicht, dieser Strategie zu folgen. Die jahrzehntelange Bestätigung dieses saisonalen Musters macht es zudem wahrscheinlich, dass sich dieser Trend in der Zukunft ebenfalls bestätigt.

Nachteile:
Auch mit dieser Strategie ist man nicht davor gefeit in den restlichen Monaten des Jahres Verluste einzufahren. Bedenken wir nur die Lehman-Pleite, die sich erst im Herbst des Jahres 2008 abgespielt hat. Damals musste man mit der Sell-in-Summer Strategie -35,7% Verlust verbuchen. Das ist zwar immer noch besser als, wenn man das ganze Jahr über im DAX investiert gewesen wäre (-40,4%), besonders erstrebenswert erscheinen uns solche große Verluste aber nicht. Dazu kann es passieren, dass man über Jahre hinweg dem DAX hinterher hinkt. So gewann der deutsche Aktienindex im Zeitraum Beginn 2004 bis Ende 2007 über 103%, mit der Sell-in-Summer Strategie holte man gerade einmal etwas über 67% heraus. Auf lange Anlagerhorizonte (ca. 10 Jahre) dürfte diese Strategie aber auch in Zukunft den DAX deutlich schlagen.

Einsicht in die Backtests erhalten Sie hier:
→ Sell-in-Summer - Rendite - DAX 1991 bis 2012
→ Sell-in-Summer - Rendite - DAX 2012_2013
→ Sell-in-Summer Strategie DAX ETF 1991 bis 2011
→ Sell-in-Summer Strategie DAX ETF 2012_2013

*nach Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Börsengebühren

Top-12-Dividendenstrategie

Durchschnittliche jährliche Rendite von 1989 bis 2009: 9,1%

Anwendung:
Es werden alle 6 Monate die 12 Aktien aus dem DAX ausgesucht, dessen Unternehmen im vergangenen Berechnungszeitraum die höchste Dividende an ihre Aktionäre ausschütteten.

Beschreibung:
Warum man nun die Höhe der Dividende als Kaufentscheidung heranzieht hat mit zweierlei zu tun. Zunächst einmal beweist eine hohe Dividende, dass ein Unternehmen vor Kraft strotzt und es sich leisten kann seine Aktionäre am Gewinn zu beteiligen. Es liegen also keine nennenswerten Schulden vor, die noch abgebaut werden müssten. Leistet sich das Unternehmen  darüber hinaus auch noch kostenintensive Investitionen wird der Grundstein für weiteres Wachstum gelegt. Die hohe Dividende, die aus dem hohen Gewinn resultiert, spricht außerdem dafür, dass sich der Markt, in dem sich das Unternehmen befindet, auf einem Wachstumspfad bewegt. Zweitens bedeutet eine hohe Dividende natürlich auch eine entsprechend hohe Ausschüttung an den jeweiligen Aktionär, also uns selbst. Das heißt, wir werden nicht nur von einem etwaigen Kursgewinn profitieren, sondern zusätzlich von einer erwarteten hohen Dividende. Diese bekommen wir als Cash ausgezahlt und könnten es direkt als Reinvestment, also für den Kauf neuer Aktien gebrauchen oder aber auf einem Tagesgeldkonto mit 2 bis 3% verzinsen lassen.

Vorteile:
Die Verwaltungsaufwand ist auf ein Minimum begrenzt, weil nur zweimal im Jahr etwas Zeit aufgewendet werden muss. Die Dividende als Kaufindikator ist aus obigen Gründen eine nachvollziehbare Herangehensweise. Durch die jährliche Dividende wird ein gewisser Teil der Endrendite als Cash abgesichert. Dies vermindert das Risiko.

Nachteile:
Auch hier kann auf Krisensituationen nicht reagiert werden. Im Jahr 2008 fuhr diese Strategie mehr Verlust ein (-44,8%) als der Vergleichsindex DAX (-40,4%). Man sollte also auf eine höhere Schwankungsanfälligkeit gefasst sein und deswegen mit dieser Strategie ebenfalls auf längere Zeiträume spekulieren.

Samstag, 17. September 2011

Trendstrategie oder Top-5-Strategie

Durchschnittliche jährliche Rendite von 1989 bis 2009: 9,5%

Anwendung:
Es werden die fünf am stärksten gestiegenen DAX Unternehmen des vergangenen Jahres ausgesucht. Diese Prozedur wiederholt sich jährlich.

Beschreibung:
Gemäß der Börsenweisheit „The trend is your friend“ wählen wir immer die 5 besten Performer eines Jahres aus. Man weiß aus historischen Erfahrungen, dass Aufwärts- genauso wie Abwärtstrends eher bestehen bleiben, als dass sie abbrechen. Verfolgt man nun diese Strategie über einige Jahre dürfte man öfter einen Gewinn als ein Verlust verbuchen. Weiterer Grundgedanke ist: Der vergangene starke Kursanstieg hat vermutlich mit Faktoren zu tun, die auch in Zukunft zu einem Wachstum des Unternehmens und damit zu einer Steigerung des Aktienkurses beitragen können. Dies sind zum Beispiel gute Konzernmanager, neue patentrechtlich geschützte Produkte, Verringerung der Produktionskosten bzw. Erhöhung der Effizienz, politische Entscheidungen usw.

Vorteile:
Die Verwaltungsaufwand ist auf ein Minimum begrenzt, weil nur einmal im Jahr etwas Zeit aufgewendet werden muss. Die Historie beweist, dass über einen langen Anlagehorizont (mind. 5 bis 10 Jahre) ordentliche Gewinne realisiert werden können. Im Jahr 2008 verlor man mit dieser Strategie nur 20,9%, der DAX hingegen gab um 40,4% nach.

Nachteile:
Auf Krisensituationen kann überhaupt nicht reagiert werden. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass man bereits überbewertete Aktien gekauft hat, die somit ein Korrekturpotenzial aufweisen. Dies könnte dazu führen, dass unser ehemaliger Börsenliebling im neuen Jahr zum Börsenflop wird. Deshalb ist diese Strategie wie bereits oben erwähnt eher für langfristige Börsenteilnehmer interessant.


BlueChips Strategie inkl. KGV

Anwendung:
Es werden zunächst alle DAX Aktien nach der Höhe ihres Gewinnwachstums geordnet und von den oberen 15, jene 5 mit dem geringsten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) herausgesucht. Nach einem Jahr verkauft man sein Depot und wählt mit der obigen Methode wieder 5 DAX Unternehmen aus.

Beschreibung:
Mit Hilfe dieser Strategie versuchen Sie unterbewertete Aktien zu identifizieren. Der Indikator des Gewinnwachstums gibt an, um wie viel Prozent das jeweilige Unternehmen seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern konnte. Dies sagt natürlich einiges darüber aus, ob das uns vorliegende Unternehmen wirtschaftlich gesund ist oder nicht. Gesunde Unternehmen, die dazu auch noch wachsen, haben auch einen steigenden Aktienkurs. Filtern wir nun diejenigen Aktien mit dem geringsten KGV heraus, so ergibt sich ein zweiter Bewertungsindikator. Aus der Historie ergibt sich, dass Aktien mit einem KGV von 15 in etwa neutral bewertet sind, also weder eine Über- noch Unterbewertung vorliegt. Wählen wir nun diejenigen fünf mit dem geringsten KGV, haben wir eine gute wirtschaftliche Basis für unsere Kaufentscheidung.

Vorteile:
Die Verwaltungsaufwand ist auf ein Minimum begrenzt, weil nur einmal im Jahr etwas Zeit aufgewendet werden muss. Die beiden Indikatoren Gewinnwachstum und KGV bieten genügend wirtschaftlichen Grund für eine Investmententscheidung. Es hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte immer bestätigt, dass unterbewertete Aktien von wirtschaftlich gesunden und wachsenden Unternehmen an Wert gewonnen haben.

Nachteile:
Die Auswahl der beiden vorgestellten Indikatoren genügt nicht um in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation oder sogar Abschwungs ebenfalls gewinnbringend zu verkaufen. Die Aktienkurse hängen von zu vielen anderen Faktoren ab, sodass man sich nicht auf zwei verlassen kann. Nur über einen längeren Zeitraum, etwa 5 bis 10 Jahre, kann diese Strategie erfolgreich sein. Kurzfristig kann es immer zu Markteinbrüchen kommen.

Welche Steuern sind beim Aktienverkauf zu entrichten? - Eine Beispielrechnung


Wie schon vorhin erwähnt ist die Aktienrendite nicht gleich der Reingewinn. Lassen Sie uns einen konkreten Fall durchgehen, um Ihnen zu verdeutlichen wie viel Sie am Ende tatsächlich auf Ihr Konto überweisen können.

Gehen wir davon aus, dass Sie Volkswagen Vorzüge zu einem Preis von 100€ erstehen und bei 110€ wieder abstoßen. Sie machen offensichtlich 10% Aktienrendite. Davon gehen zunächst einmal 25% als Abgeltungssteuer direkt an den Fiskus (wird von den Banken einbehalten). Sie stehen also noch bei 7,5% Gewinn. Weiterhin besteht für alle Bundesbürger die Pflicht den Solidaritätszuschlag von 5,5% auf die Abgeltungssteuer zu bezahlen. Die Berechnungsgrundlage ist hierbei also nicht die Aktienrendite, sondern nur die Höhe der Abgeltungssteuer. Für alle Angehörige der evangelischen und katholischen Kirche ergibt sich zusätzlich ein Aufschlag von 8% Kirchensteuer (Baden-Württemberg, Bayern) bzw. 9% (alle übrigen Bundesländer). Ab hier wird es etwas komplizierter: Weil Sie die Kirchensteuer als Sonderausgaben absetzen können, gelten als Berechnungsgrundlage nicht die vollen 25% der Abgeltungssteuer, sondern nur 24,51% (bei 8% Kirchensteuer) bzw. 24,45% (bei 9% Kirchensteuer). Zusammengefasst zahlen Sie als Nichtangehöriger der beiden großen Kirchen 26.375% auf alle Kapitalertragsgewinne. Gehören Sie einer der Kirchen (katholisch, evangelisch) in Bayern oder Baden-Württemberg an zahlen Sie 28.34% und in allen anderen Bundesländern sogar 28.58%. Falls Sie keine Kirchensteuer bezahlen möchten, können Sie einfach aus der Kirche austreten. Ob Sie dies mit Ihrem Gewissen vereinbaren können, ist Ihnen selbst überlassen.


Dennoch gibt es einen Weg Ihre Kapitalertragsgewinne steuerfrei zu retten:

Jeder Bundesbürger kann sich einen Sparer-Pauschbetrag (Sparerfreibetrag) in der Höhe von 801€ pro Jahr, bei Ehepaaren dementsprechend 1602€, einrichten lassen. Jeder verdiente Euro oberhalb dieser Grenze wird dann steuerpflichtig (s.o.). Wer jedoch keinen Freistellungsauftrag bei seiner Depotbank aufgibt, dessen Kapitalertragsgewinne werden mit dem obigen Satz von 26.375% versteuert. Sofern Sie bei der Eröffnung ihres Depots angeben, dass sie Kirchensteuer abführen müssen/wollen wird diese automatisch mit abgebucht. Ansonsten sind Sie dazu verpflichtet dies innerhalb Ihrer Einkommenssteuererklärung zu tun.





Außerdem wichtig: 

Bei welcher Bank soll ich mein Depot anlegen?

Es gibt im Grunde genommen zwei Möglichkeiten:

Erstens den Erwerb eines Depots bei einer Geschäftsbank, zweitens bei einer Direktbank. Die Geschäftsbanken (Sparkassen, Deutsche Bank, Commerzbank usw.) sind sehr große Banken mit vielen Geschäftsfeldern. Sie bieten Ihre Produkte sowohl für Privatleute, als auch für Firmenkunden an. Der immense Vorteil, sofern man ihn nötig hat, besteht darin, dass man seine Vermögensstrategien mit einem Bankberater besprechen kann. Es fühlt sich sicherer an, wenn man weiß, dass sich Menschen, die man persönlich kennt, um sein Geld kümmern und man immer die Möglichkeit hat, bei Fragen, in der Filiale vorbeizuschauen. 


Das Geschäftsprinzip der Direktbanken läuft dagegen anders. Es gibt keine Filialen, alle Geschäfte laufen übers Internet. Wer sich selbst genügend vertraut ist diese Variante zu empfehlen, vor allem aus finanziellen Gründen. Ein Kaufauftrag bei einer Geschäftsbank kann ca. 80€ kosten, wohingegen der gleiche Auftrag bei einer Direktbank weniger als 10€ kostet. Um langfristig erfolgreich an der Börse spekulieren zu können, müssen alle externen Kosten (Steuern, Börsengebühren) so gering wie möglich gehalten werden. Dementsprechend empfehle ich jedem aktiven Börsenteilnehmer ein Depot bei der Direktbank seiner Wahl.





Außerdem wichtig: